Ich muss mich heute erst einmal etwas länger mit der Diagnose beschäftigen. Mir ist aufgefallen, dass mir die Ärzte eigentlich keine Diagnose genannt haben. So nach dem Schema: er merkt schon, dass es weh tut und dass er hingefallen ist, weiß er sowieso. Für die rechte Schulter hatte ich – ja glaube ich – die Diagnose Impingement-Syndrom. Früher nannte man das wohl ganz allgemein Schulter-Arm-Syndrom. Da wusste man, dass der Arzt eigentlich nicht wusste, was das ist. Heute ein etwas gebildeterer Ausdruck und dann auch noch auf Englisch, aber eigentlich gehört sich ja nur Latein im Medizinbereich, denkt man, man hätte eine voll gültige Diagnose. Aber im Grunde ist das auch nur der Versuch einer Diagnose, dass das da oben irgendwie etwas enger geworden ist, kann ja wohl nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Nun bin ich auf die Begriffe adhäsive Kapsulitis und Schultersteife und frozen Shoulder gestoßen, die, wie ich festgestellt habe, alle das Gleiche bedeuten. So ganz das gleiche wohl auch nicht, denn Kapsulitis ist tatsächlich eine Krankheit, während die Begrifflichkeit von Steife und frozen mehr auf eine Symptomatik hindeuten, aber so genau nimmt man das vielleicht nicht.
Ich nehme nun einmal an, dass es sich bei mir um eine adhäsive Kapsulitis handelt, die sowohl primär, das heißt von alleine und spontan gekommen ist und sekundär, das heißt durch den Unfall (besser: die Unfälle) nicht gerade ausgelöst sondern beschleunigt und provoziert wurde. Wenn ich mich auf diese Diagnose festlege, und bei Gelegenheit werde ich das dem Arzt vorlegen – zur Bestätigung versteht sich -, dann kann ich davon ausgehen, dass alles, was gegen Entzündung gut ist, auch von mir angewendet werden kann. Damit ist die dringende Bitte von TD, doch immer wieder die Stelle zu kühlen, mehr als berechtigt und wird nun von mir auch schon zwei Tage sehr konsequent durchgeführt. Das hat zumindest den Vorteil, dass ich nunmehr weder Salben noch Tabletten zur Anwendung bringe, auch keine Schlaftabletten. Das ist doch schon mal ein toller Erfolg, wenn auch die Symptome, das heißt die Einschränkung der Armbewegung immer noch massiv sind und nicht deutlich zurückgegangen sind. Es sind auch immer wieder Bewegungen, die sehr plötzlich den Schmerz auslösen, ohne dass ich vorher damit gerechnet habe, denn es handelt sich wirklich nur um geringfügige kleine Bewegung, meistens wenn ich nach unten und etwas seitlich greifen will. Nach oben rechne ich gewöhnlich mit einer schmerzhaften Bremse und bin entsprechend vorsichtig.
Ich werde nunmehr die Schulterhilfe viel konsequenter einsetzen, sie mehrmals am Tag anlegen, manchmal mit Bewegungen ohne Belastung, aber vielleicht einmal am Tag auch mit einer schärferen Belastung, ohne allerdings den Muskel völlig schlapp zu machen, das scheint mir immer noch nicht das adäquate Mittel beim gegenwärtigen Zustand zu sein.
Ich werde jetzt auch den Poster zum Schulterrotatoren-Test an die Tür anbringen, um meine Fort-oder vielleicht auch Rückschritte objektivieren zu können. Beim ersten Messen lag der linker Arm bei 105 Grad, der rechte bei 135. Höher kann ich den rechten wegen der Beschränkung durch die Schulterhilfe gar nicht bekommen. Das Ziel muss also sein, auch für den linken Arm 135° zu erreichen, aber schön langsam und geduldig, mit Gewalt kann man sich nur über den Erfolg täuschen, das kann aber nicht der Sinn der Sache sein.
Mir fällt ein, dass ich bei den ersten Nutzungen der Schulterhilfe, den Arm vor dem Üben gerade mal auf 90 Grad gebracht habe, jetzt also schon mal 105, da ist also schon ein Fortschritt.
Ich habe nun, wo der Poster an der Tür klebt, vor Beginn der Übungen und dann immer wieder in den Pausen gemessen. Es steigert sich kontinuierlich bis 120 Grad, auch nachdem ich mit Belastung gearbeitet habe, ist es dabei geblieben. Ich hatte befürchtet, dass die Belastung wieder zur Bewegungseinschränkung führt. Ich will jetzt mal alle Viertelstunde messen, später allle Stunden, dann wieder morgen früh, um zu sehen, wie schnell das Einfrieren wieder stattfindet. Denn ich bin sicher, morgen starte ich wieder mit 105 oder nur wenige Grade darüber. Es wird lange dauern.
Obwohl ich in den ersten 2 Stunden ein Absinken der Beweglichkeit auf 115 – 117 Grad fesstellen musste, merke ich nun nach ca. 4 Stunden, dass ich die 120 Grad gehalten habe. Bin ich doch sehr gespannt, wie das morgen nach dem Frühstück und der Morgengymnastik, die aber nur auf Beine und Hüften konzentriert ist, aussieht.
Hier ein Artikel aus aus dem Brandenburgischen Ärzteblatt über sinnlose Operation an der Schulter
